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Der ganz normale Wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Habt ihr Lust, ein paar Tage mit zwei Top10 Worldcup Fahrern vom Team Morewood/Kenda Downhillfahren zu gehen? Mit Mitch Delfs und Nathan Rennie? Was für eine Frage? Also wir hatten Lust! Haben unsere Sachen gepackt, um die Jungs zu treffen. Und wir sind ja nicht so...: in dieser Story nehmen wir euch einfach mit. Also anschnallen, Bremse loslassen und ab geht die Post.

Warum um alles in der Welt machen die das, mögt ihr euch Fragen. Warum sollte ein Nathan Rennie Bock haben, mit dem Maddin, dem Fabio und dem Boris von der Rider heizen zu gehen? Die Jungs haben Pause! Worldcup Pause. Diese Zeit wollen sie nutzen, biken zu gehen und die 3 Dudes von der Zeitung ein bisschen zu beeindrucken. Im französischen Elsas ist ein guter Platz dafür. Im April findet hier immer das DH Race von Barr statt und Strecken diesen Kalibers soll es hier einige geben. Wir reisen über die Nacht an, geniessen ein paar Stunden Express-Schlaf in einem anonymen Ami-Style Motel und erscheinen extra pünktlich zum Frühstück - schliesslich trifft man nicht alle Tage so schnelle Radfahrer!

Zuhause ist mir das auch schon öfter aufgefallen: Fahrer, die auf dem Bike sehr schnell sind, kompensieren dass alltags oft durch eine chillige Ruhe. Und so ist es auch “nur” Morewood/Kenda Teammanager Peter, der zumindest noch die Reste unseres Frühstücks zu sehen bekommt. Etwas später gibt sich Mitch die Ehre, ganz zum Schluss komplettiert Rennie die Runde. Mit langem Gesicht. Beim Rennenfahren hingelegt, Knie wieder lädiert, Zwangspause. Zumindest für heute.

Dabei erwartet uns heute ein attraktives Programm. Wir wollen mal “richtig” Downhillfahren gehen. Mitch erklärt uns kurz, was er damit meint. Irgendwie sind die Jungs etwas genervt vom Worldcup, wo ihnen die Tracks oft zu flach und langsam sind, dafür aber Zuschauer ziehen und gut erreichbar sind. Heute gehen wir Spasshaben! Wir sind gespannt. Und ein bisschen aufgeregt. Haben wir den Ansatz einer Chance, dranzubleiben? Oder geht es mehr ums Überleben?

Per Shuttle geht es erstmal eine halbe Stunde hoch. Ein Local führt uns. Oben treffen wir noch den französischen Morewood Teamrider Couscous aka Fabien Cousinie, der selber mit seinem Truck von Toulouse ins Elsass anreist. Und ganz chillig etwas später kommt als geplant. Nicht schlimm, denn die Jungs pimpen eh noch ihre Bikes.

Rennie sitzt im Auto und guckt Dirt-Rider Video Magazine. Wir schieben zum Start. Die schnellen Jungs fahren vor, wir folgen. Das erste Stück ist schonmal ziemlich cool! Flowig und ein kleiner Double. Vorsicht, gleich wird’s etwas steiler. Etwas? Wuahhhhhh! Nach vorn sehen, bloss die Linie treffen, nicht bremsen und ausblenden, dass es rechts bestimmt 10 Meter senkrecht runter geht. Im nächsten Steilstück fehlen einfach 3 Meter, extremdrop.de! Es folgen riesige Felsbrockenpassagen, eine extrem krasse Stepdown/Stepup/Hipjump Kombi und zum Entspannen noch eine ziemlich flowige Highspeedpassage. Erst im zweiten Run wird klar, dass tatsächlich alles fahrbar ist. Wir sehen verdächtig lange Delfs Hinterrad und nachdem wir ausgeblendet haben, dass der nur cruised, fühlen wir uns schnell. Fabio schwenkt die weisse Fahne, Boris und ich haben Adrenalin. Und die Downhillpros haben ganz offensichtlich ziemlichen Spass!

Boris findet den Track super. Delfs das MRM. Und den Track...
Boris findet den Track super. Delfs das MRM. Und den Track...
Dieser Track ist der Hammer. Und nicht nur wir sind geflasht. Couscous und Delfs haben in etwa ein genauso fettes Grinsen im Gesicht. Obwohl das deren Job ist! Oder gerade desshalb? Die Jungs klären uns auf: “Das beste an unserem Job ist, dass wir jeden Tag Radfahren können! Das schlechteste ist die viele Reiserei, Flughäfen und jeden Tag Gyros Pita.”

Letzteres ist heute kein Problem. Mittags gibts - ganz französisch - Baguettes. Danach wieder heizen. Ein paar mal stoppen wir, um ein paar Fotos zu machen. Hammer, wie die Jungs abgehen! Genau wie wir waren die alle noch nie auf dieser Strecke und es sieht aus, als wäre es ihr Lieblings Homespot. Couscous fährt Lines, die eigentlich gar nicht gehen und Delfs packt seine intensiv vorhandenen Motocross Skills aus: ich habe noch nie jemanden so krass flach in einer Kurve liegen sehen und wenn, dann ist derjenige danach umgefallen. Mitch macht dagegen die Bremse auf und fährt mit Highspeed weiter. Und seine “Bubba Scrubs” - ein Traum! Ohne Scheiss: die Jungs fahren, wie von einem anderen Stern und beantworten in nur einer Kurve sofort die Frage, warum sie Worldcup PRos geworden sind und ich nicht. Dabei ging es bei den beiden ähnlich los: Mitch cruiste zuhause immer mit dem BMX über die Feldwege. Als das brach, schnappte er sich die Schrottkarre von seinem Dad bis er sich irgendwann sein allererstes richtiges Bike leisten konnte. Jetzt fährt er ein handpoliertes Einzelstück, das nagelneue Makulu von Morewood, mit Hand-gepimpten Bos Federelementen. Mit 19 im downhill Himmel.
Couscous ist 22, fuhr mit 10 sein erstes Rennen und hat seither nicht mehr damit aufgehört. Er studiert nebenbei, hat schon ein Praktikum bei seinem Sponsor Morewood in Südafrika gemacht und schätzt es, mit Leuten zusammen zu arbeiten, die wissen, worum es beim Racing geht. Patric Morewood ist schliesslich lange genug selber Worldcups geraced.
Beim “zum Start schieben” kann man sich nett unterhalten und wir erfahren eine Menge über die Jungs.

Delfs hat Spass bei der Weinprobe.
Delfs hat Spass bei der Weinprobe.
Noch kommunikativer sollte es später werden. Viiiieeel später. In Frankreich ist man chillig unterwegs. Und so zieht sich die geplante Weinprobe extrem in die Länge. Rennie ist zwischenzeitlich wieder dazu gestossen und lässt sich bereitwillig in die kulinarischen Highlights des Elsass einführen - das Portfolio des Weinguts Henry Fuchs trägt zu anstrengungslos geistigem Genuss bei. Aus BBQ um 7 wird Midnight BBQ um 12 - laissez faire - alles easy!
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